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Berger, T., Agentenbasierte räumliche Simulationsmodelle in der Landwirtschaft Anwendungsmöglichkeiten zur Bewertung von Diffusionsprozessen, Ressourcennutzung und Politikoptionen. Sonderheft Agrarwirtschaft Nr. 168, Bergen / Dumme: Agrimedia 2000


Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht darin, mit einem mikroökonomisch fundierten Simulationsmodell den möglichen technischen und strukturellen Wandel in einer konkreten Agrarregion zu erforschen und Szenarien für Politikalternativen zu entwerfen. Der hierzu entwickelte Modellansatz gehört sowohl in die Klasse der Multi-Agenten-Systeme, weil viele unabhängige Entscheidungseinheiten miteinander agieren, als auch der zellulären Automaten, weil räumliche Nachbarschaftsbeziehungen über Pacht- und Wassermärkte eine tragende Rolle spielen. Der Beitrag von ALFONS BALMANN (1995) dient dabei als Ausgangspunkt für die Weiterverfolgung der agentenbasierten Zellularmodellidee. Das wesentliche Kennzeichen des Ansatzes von THOMAS BERGER ist die Modellierung der Verhaltensheterogenität von wirtschaftlichen Akteuren und der direkten Interaktionen zwischen ihnen. Ihre jeweiligen Entscheidungsprobleme in Bezug auf Produktion, Investition und Konsum werden durch separate, rekursive lineare Programmierungsmodelle repräsentiert. Verhaltensrestriktionen bei der Übernahme von Innovationen werden in Form von Netzwerk-Schwellenwerten eingeführt, die den Beeinflussungseffekt der kumulierten Erfahrungen von anderen Anwendern auf die eigene Innovationsentscheidung reflektieren. Wie in vielen Geographischen Informationssystemen sind die Daten räumlich in einem Gitternetz aus Flächeneinheiten organisiert. Dabei sind mit jeder Zelle verschiedene biophysikalische und ökonomische Attribute verbunden, etwa die Bodenqualität, die Wasserzuleitung, die Bodenbedeckung sowie das Nutzungsrecht, interne Transportkosten und die jeweilige Bodenwertschöpfung. Mit Hilfe dieses agentenbasierten Modellansatzes lassen sich ökonomische Theorien „durchspielen“, die zwar seit längerer Zeit bekannt sind, aber aufgrund fehlender bzw. inkonsistenter aggregierter Datensätze nicht getestet werden konnten. Vor allem aber ermöglicht ein derartiger Modellansatz die Erfüllung alter agrarökonomischer Träume, wie sie etwa von RICHARD DAY und THEODOR HEIDHUES Mitte der 60er Jahre gehegt wurden. Insbesondere HEIDHUES initiierte in Göttingen eine Reihe von Untersuchungen, die sich der Vorausschätzung des strukturellen Wandels in der Landwirtschaft widmeten. Die eigentliche Modellbildung im Sinn des von DAY beschriebenen „adaptiven Mikrosystems“ war jedoch damals aufgrund der verfügbaren Modelltechnik nicht möglich. Erst der hier entwickelte Modellansatz kann unter Ausnutzung heutiger Rechnerkapazitäten und objektorientierter Programmiersprachen den technischen und strukturellen Wandel als adaptives Mikrosystem abbilden.

 
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