|
Vorwort
Im Zuge der vermehrten Liberalisierung des internationalen Agrarhandels
hat auch die Diskussion um Umweltstandards weltweit an Bedeutung
gewonnen. Das steigende Interesse an Umweltstandards resultiert
aus drei Sorgen: der Sorge des Verlustes an Wettbewerbsfähigkeit
in Industrieländern mit hohen Standards; der Sorge in Entwicklungsländern
vor neuem verstecken Protektionismus durch Umweltstandards; und
der sorge vor einer weitergehenden Zerstörung der Umwelt durch
nicht nachhaltige Agrarproduktion. Das vorliegende Buch geht der
Frage nach, inwieweit diese Befürchtungen gerechtfertigt sind.
Dazu werden zunächst in einem theoretischen Teil die Ergebnisse
der bestehenden Literatur zusammengefasst und in den Kontext der
Welthandelsorganisation (WTO) gestellt. In einem zweiten empirischen
Teil wird anhand von konkreten Fallbeispielen untersucht, inwieweit
Umweltstandards die internationale Wettbewerbsfähigkeit tatsächlich
beeinflussen.
Das ZEF ist seinen Kooperationspartnern in Brasilien, Indonesien
und Deutschland verbunden. Kooperationspartner in Brasilien waren
Prof.Geraldo Sant'Ana de Camargo Barros und Dr. Ricardo Shirota
vom Centre for Advanced Studies and Applied Economics (CEPEA) der
Universität São Paulo. In Indonesien kooperierte ZEF
mit Dr. H. S. Dillon und Yadi S.A. Suriadinata vom Centre for Agricultural
Policy Studies (CAPS) in Jakarta, und in Deutschland waren Prof.
Dr. Folkhard Isermeyer und Dr. Claus Deblitz vom Institut für
Betriebswirtschaft, Agrarstruktur und ländliche Räume
der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig
Kooperationspartner.
Die Analysen zeigen, dass die untersuchten Entwicklungsländer
bei Agrarprodukten keineswegs in den kodifizierten Umweltstandards
in wettbewerbsverzerrender Weise hinter den Industrieländern
stehen. DIe auf Unterschiede in Standards zurückgehenden Kostenunterschiede
sind auf Produktionsebene gering. Allerdings ist die Verletzung
von gesetzlichen Regelungen weit verbreitet. Hilfe zur Stärkung
von Rechts- und Verwaltungssystemen würde Umweltschutz und
Wettbewerbsgerechtigkeit dienen. Der grundlegende Unterschied in
der Wettbewerbsfähigkeit liegt in der Entlohnung von Arbeit
in der Landwirtschaft. Deshalb geht Protektionismus auch primär
zu Lasten von armen Unterbeschäftigten, insbesondere im ländlichen
Raum der Entwicklungsländer.
Bonn, im Februar 2001
Joachim von Braun
|